Burundi

„Ich hoffe, dass es unser Baby einmal besser haben wird“

Der 27-jährige Gilbert Nizigiyimana war acht Jahre alt, als seine Familie ermordet wurde. Nur Gilbert konnte durch ein Fenster entkommen. Er und seine Frau Violette Nimbona sind aus Burundi geflohen. Zusammen mit drei Cousins lebt das Ehepaar seit 2014 in einem Flüchtlingscamp in Kenia. Drei Zimmer für fünf Menschen, kein Strom, kein Wasser – so sieht es bei Violette und Gilbert aus. „Das Leben ist hart hier“, sagt Violette, „aber ich hoffe, dass es unser Baby einmal besser haben wird“.

Die 26-Jährige streicht sich über den Bauch und schaut einen Moment sehr ernst. Doch schon im nächsten Moment lacht sie wieder. Trotz der schwierigen Bedingungen in dem 1992 gegründeten Flüchtlingscamp: Violette ist ein positiver Mensch, fast immer sieht man sie lachen. Nur wenn man sie nach ihrer Flucht fragt, werden Violette und Gilbert ernst. Das Entsetzen ist ihnen ins Gesicht gezeichnet.

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So hilft die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) in Burundi:

Seit über 30 Jahren bilden die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen aus Baden-Württemberg und Burundi eine Brücke über Grenzen und Entfernungen hinweg. In den 1980er Jahren mit der Idee einer Parlamentspartnerschaft entstanden, sind es heute zahlreiche Partnerschaftsinitiativen seitens der baden-württembergischen Zivilgesellschaft, Kirche und Politik. Diese sind im Burundi-Netzwerk gebündelt, das die SEZ zu Austausch, Stärkung und Vernetzung aufgebaut hat.

Wertvoll zum Tragen kam es erstmals während des Bürgerkrieges in Burundi zwischen 1993-2005, als zwar die offiziellen Kontakte seitens des Landes Baden-Württemberg unterbrochen waren, nicht jedoch die vielfältigen privaten und kirchlichen Partnerschaften. Die Brücke für Information und gemeinsames Handeln zwischen allen Akteuren bildete das Burundi-Netzwerk der SEZ. Auch im jetzigen Konflikt bildet das gelebte bürgerschaftliche Engagement den Kern der Beziehungen zwischen den beiden Ländern während die offiziellen Kontakte ruhen. Die SEZ fördert verstärkt die am meisten von der Krise betroffenen Menschengruppen und unterstützt die Partner dabei, ihre gemeinnützige Arbeit auch unter schwierigen Bedingungen umzusetzen.

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  • Violette Nimbona und Gilbert Nizigiyimana sind aus Burundi geflüchtet und leben nun in einem Flüchtlingscamp in Kenia.

    Foto: Johanniter/Fassio

Hintergründe zur vergessenen humanitären Krise in Burundi

Burundi ist ein zugleich fruchtbarer und notleidender Binnenstaat in der ostzentralafrikanischen Seenregion. Immer wiederkehrende ethnische Auseinandersetzungen und Bürgerkriege haben das Land und die Bevölkerung gezeichnet. Trotz des fruchtbaren Bodens, des großen Süßwassersees Tanganyika und einer etablierten landwirtschaftlichen Tradition, hat sich die Ernährungssicherheit, Gesundheitsversorgung und das Pro-Kopf-Einkommen in den vergangenen Jahren sehr verschlechtert.

Die Ankündigung von Präsident Pierre Nkurunziza im April 2015, erneut für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, löste eine bis heute andauernde innenpolitische Krise aus. Ein Jahr zuvor, im März 2014, lehnte die Nationalversammlung mit knapper Mehrheit einen Gesetzentwurf ab, der Verfassungsänderungen erlaubt und dem Präsidenten damit eine weitere Amtszeit ermöglicht hätte. Der Friedensvertrag von Arusha, auf welchem die burundische Verfassung gründet, sieht lediglich zwei Amtszeiten vor. Das burundische Verfassungsgericht erklärte die dritte Kandidatur letztlich für nicht verfassungswidrig, da der Präsident für seine erste Amtszeit nicht direkt vom Volk gewählt worden war. Den Protesten auf die Ankündigung folgten blutige Zusammenstöße zwischen Regierung und Opposition. Seit der erneuten Wahl zum Präsidenten hat sich die Lage weiter verschärft. Mehr als 400.000 Menschen haben seit April 2015 das Land verlassen und leben in Geflüchtetenlagern in den Nachbarstaaten Burundis. Pierre Nkurunziza hat inzwischen bereits seine Kandidatur für die vierte Amtszeit bekannt gegeben.

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