„Ich hoffe, dass es unser Baby einmal besser haben wird“

  • Für das Baby, das in einigen Wochen zur Welt kommen wird, wünschen sich Gilbert und Violette etwas mehr Platz und ein besseres Haus.

    Foto: Johanniter/Fassio

  • Eine Wohnung mit fließend Wasser und Strom scheint den werdenden Eltern als unerreichbarer Traum – die Infrastruktur des Flüchtlingscamps ist dafür nicht ausgebaut.

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Der 27-jährige Gilbert Nizigiyimana war acht Jahre alt, als seine Familie ermordet wurde. Nur Gilbert konnte durch ein Fenster entkommen. Er und seine Frau Violette Nimbona sind aus Burundi geflohen. Zusammen mit drei Cousins lebt das Ehepaar seit 2014 in einem Flüchtlingscamp in Kenia. Drei Zimmer für fünf Menschen, kein Strom, kein Wasser – so sieht es bei Violette und Gilbert aus. „Das Leben ist hart hier“, sagt Violette, „aber ich hoffe, dass es unser Baby einmal besser haben wird“.

Die 26-Jährige streicht sich über den Bauch und schaut einen Moment sehr ernst. Doch schon im nächsten Moment lacht sie wieder. Trotz der schwierigen Bedingungen in dem 1992 gegründeten Flüchtlingscamp: Violette ist ein positiver Mensch, fast immer sieht man sie lachen. Nur wenn man sie nach ihrer Flucht fragt, werden Violette und Gilbert ernst. Das Entsetzen ist ihnen ins Gesicht gezeichnet.

Der damals 8-jährige Gilbert musste mit ansehen, wie seine Eltern und seine vier Geschwister von ihren eigenen Verwandten ermordet wurden. Nur Gilbert konnte durch ein Fenster entkommen. Der 8-Jährige floh allein in das benachbarte Tansania. Bis er 2012 in das Flüchtlingscamp im Nordwesten von Kenia kam, floh er von einem Ort zum anderen, arbeite dort auf dem Bau oder nahm andere Hilfsarbeiten an. Eine Schule konnte der introvertierte Mann nie besuchen.

Auch bei Violette war es ein innerfamiliärer Konflikt, der sie zur Flucht zwang. Ihr Vater hatte neben Violettes Mutter noch eine zweite Frau, deren Familie Violettes Mutter ermorden ließ. Nicht mehr sicher vor Angriffen, machte sich die junge Frau auf die Flucht. In der Tasche ein Dokument, welches ihre Ausbildung als Krankenschwester bezeugt. Als sie 2014 Kakuma erreichte, hatte sie gehofft, dass ihr Abschluss anerkannt werden würde – was für eine Enttäuschung, als sie feststellte, dass der kenianische Staat Flüchtlingen keine Arbeitserlaubnis außerhalb des Flüchtlingscamps erteilt.

In einem Krankenhaus, was von einer Hilfsorganisation im Camp betrieben wird, haben beide nicht nur eine Arbeit gefunden, sondern auch ein Zuhause. Violette und Gilbert haben eine Ausbildung zu medizinischen Assistenten abgeschlossen und unterstützen nun das Krankenhauspersonal bei ihren täglichen Aufgaben. Für das Baby, das in einigen Wochen zur Welt kommen wird, wünschen sie sich etwas mehr Platz und ein besseres Haus. Eine Wohnung mit fließend Wasser und Strom scheint den werdenden Eltern als unerreichbarer Traum – die Infrastruktur des Flüchtlingscamps ist dafür nicht ausgebaut. Trotzdem wollen sie in Kenia bleiben oder auch in ein anderes Land, Hauptsache dort herrscht Frieden.

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