Hunger ist ein ständiger Begleiter

„Ich bin nicht glücklich über meine Situation, aber ich habe keine andere Option“, sagt Jestina Pellu lächelnd und lässt beide Hände auf ihrem runden Bauch ruhen. „Ein paar Ochsen wären schön, damit ich mein Feld pflügen kann“, sagt sie bescheiden. Die 38-jährige Jestina ist im sechsten Monat schwanger und allein für ihre drei Kinder verantwortlich. Lucky, Victor und Success heißen ihre Söhne, doch ihre Namen sind mehr Hoffnung als Programm. Ihr Mann ist 2010 an AIDS gestorben. Ihr zweiter Mann hat sie kürzlich verlassen. Allein kämpft Jestina nun ums Überleben ihrer Familie, was die letzten Jahre besonders schwierig war. Ihre kleine Hütte liegt im Distrikt Chipinge im Südosten Simbabwes, der seit 2014 unter einer Dürre durch das Klimaphänomen El Niño gelitten hat. Der Regen blieb zum großen Teil aus, Hunger wurde auch im Haus von Jestina ein ständiger Begleiter, da nichts mehr auf ihrem Feld wuchs.

Jestinas Acker liegt rund zehn Minuten zu Fuß entfernt von ihrer Hütte in der ausgedörrten Tiefebene. Jetzt im November hat sie damit begonnen, Sorghum-Hirse auszusäen, da die Regenzeit bevorsteht. Die Aussaat hat sie von einem Sack Sorghum abgezweigt, den sie kürzlich auf dem Markt erworben hat. Das Geld erhielt sie über ein Bargeld-Programm der Johanniter, mit dem besonders von Hunger gefährdete Familien während der Trockenzeit unterstützt werden. Jestina bekommt rund 24 US-Dollar pro Monat, davon kann sie Grundnahrungsmittel kaufen und sich und ihren Kindern zwei Mahlzeiten pro Tag ermöglichen. Langfristig erhält sie ebenfalls Unterstützung: sie wird eine Latrine erhalten, um die hygienischen Bedingungen zu verbessern, sowie Beratung in der Landwirtschaft für eine adäquate Ernährung.

Jestinas 12-jähriger Sohn Victor möchte nach Südafrika gehen, wenn er groß ist. Hinter die Hülle seines Schulhefts hat er stolz ein Foto seines Stiefvaters gesteckt, den er vermisst, obwohl er sie von einem Tag auf den anderen verlassen hat. Er sei LKW-Fahrer und arbeite nun in Südafrika. „Das möchte ich auch werden und dorthin fahren. um Geld zu verdienen. Dann kann ich meiner Mutter Essen nach Hause schicken.“

  • Jestina Pellu ist 38 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von drei Kindern.

    Foto: Johanniter/Brazier

  • Jestina Pellu mit ihren drei Söhnen.

    Foto: Johanniter/Brazier

  • Sorghum-Hirse sichert das Überleben der Familie.

    Foto: Johanniter/Brazier

  • Die Johanniter unterstützen Jestina mit rund 24 US-Dollar im Monat, davon kann sie Grundnahrungsmittel kaufen

    Foto: Johanniter/Brazier

  • Jestinas 12-jähriger Sohn Victor möchte seinem Stiefvater nach Südafrika folgen: „Dann kann ich meiner Mutter Essen nach Hause schicken“.

    Foto: Johanniter/Ramm

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