Somalia: Interview mit Ali Ahmed, Leiter der SOS-Nothilfeprogramme in Somalia

  • Kinder in einem Camp bei Baidoa.

    Foto: SOS

  • Behelfsmäßige Zelte im Kormarey-Kamp bei Baidoa.

    Foto: SOS

Drei Millionen Menschen – knapp ein Viertel der Bevölkerung Somalias – leiden aktuell unter akuter Lebensmittelknappheit. Laut Schätzungen der UN sind 363.000 Kinder unter fünf Jahren unterernährt, 71.000 davon fallen in die höchste Risikogruppe. Die Kosten für hochkalorische Lebensmittel belasten die Budgets der SOS-Familien und der SOS-Kinderdorf-Programme. Das SOS-medizinische Zentrum in Baidoa schafft es kaum noch, die stetig steigende Zahl an kranken und unterernährten Kindern zu versorgen. Die UN-Gesundheitsbehörde äußerte sich besorgt über eine mögliche Cholera-Epidemie, der potentiell tödlichen Durchfallerkrankung, die durch verunreinigtes Wasser ausgelöst wird.

SOS Somalia
Ali Ahmed

Interview mit Ali Ahmed, Leiter der SOS-Nothilfeprogramme in Somalia

Wie sehr sind die SOS-Kinderdörfer von der Dürre betroffen?

„Die Dürre hat große Auswirkungen auf unsere SOS-Programme in Somalia: Besonders in Baidoa, hier ist die gesamte Region betroffen. In vielen Dörfern sind die Brunnen vertrocknet, die Menschen haben ihre Farmen verlassen und die Preise für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind stark gestiegen. Viele der Familien, die in unserem Familienstärkungsprogramm betreut werden, sehen sich aufgrund der Lebensmittel- und Trinkwasserknappheit gezwungen, in andere Gegenden zu ziehen. Auch das Vieh stirbt: der Verlust an Vieh zieht große Einkommensverluste der Familien nach sich.“

Seit Anfang 2017 ist die Zahl der kranken und unterernährten Kinder in den SOS-Gesundheits- und Ernährungszentren enorm angestiegen. Kann SOS helfen?

„Besonders die Anzahl von Kindern unter fünf Jahren steigt immer stärker. Cholera, Unterernährung, Masern und akute Atemwegserkrankungen sind die größten Risiken. Der Mangel an sauberem Wasser hat die Lage zusätzlich verschärft. Uns wurde auch von einem gehäuften Auftreten von Hautausschlägen und ansteckenden Krankheiten berichtet. Unser Personal ist durch die gestiegenen Patientenzahlen momentan stark überlastet. Bisher gab es in den SOS-Familienstärkungsprogrammen 120 Fälle von Cholera. Dreizehn Menschen sind bereits an der Krankheit gestorben.“

Was unternimmt SOS gegen die Lebensmittel- und Wasserknappheit?

„Wir haben ein Nothilfeteam zusammengestellt, um die Bedürfnisse des medizinischen Zentrums sowie der anderen SOS-Programme zu evaluieren und entsprechend auf die Bedürfnislage zu reagieren. In Folge der Dürre steigt die Zahl der Menschen, die vor dem Hunger fliehen. Die Nothilfelager in den Vororten von Mogadischu und Baidoa werden immer größer und sind vollkommen überlastet. Dürre und Mangelernährung zusammen mit schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wirken sich gravierend auf die Jugendarbeitslosigkeit aus und gefährden die Vergabe von Mikrokrediten für Familien. SOS-Kinderdorf Somalia wird auch weiterhin sowohl kurz- als auch langfristige Hilfsmaßnahmen durchführen, um den Familien zu ermöglichen in Zukunft auf eigenen Beinen zu stehen.“

Hilf uns und setze ein Zeichen gegen das Vergessen von Menschen!