Hintergründe zur vergessenen humanitären Krise in Kamerun

Insgesamt leben 40 Prozent der Bevölkerung in Kamerun unter der Armutsgrenze. Vor allem im Norden des Landes gibt es keinen gesicherten Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und sauberem Wasser. Laut den Vereinten Nationen sind in dem westafrikanischen Land aktuell 2,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, davon 1,5 Millionen Kinder. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen geht davon aus, dass in Kamerun mehr als 350.000 Flüchtlinge aus den Nachbarländern Zuflucht gesucht haben. Die meisten von ihnen – fast 260.000 – stammen aus der Zentralafrikanischen Republik. Über 90.000 registrierte Flüchtlinge kommen laut dem Cameroon Humanitarian Situation Report von April 2017 aus Nigeria. Weitere 30.000 wurden bislang nicht offiziell erfasst. Hinzu kommt eine steigende Zahl von Vertriebenen innerhalb des Landes.

Die Region rund um den Tschadsee gilt als eine der ärmsten Gegenden der Welt. Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat etwa jeder dritte Bewohner nicht jeden Tag genug zu essen. Die Gründe sind vielfältig. So ist der Tschadsee, einst Lebensgrundlage vieler Menschen, seit den 1960er Jahren um 90 Prozent geschrumpft. Der Klimawandel sorgt für Dürren und ausbleibenden Regen. Die Situation in der Region verschlechtert sich seit Jahrzehnten und ist aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden.

Die humanitären Krisen in den Nachbarländern Kameruns – Zentralafrikanische Republik, Nigeria und Niger – haben zehntausende Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Viele Flüchtlinge sind vor bewaffneten Konflikten geflohen. Kamerun hingegen gilt als wirtschaftlich und politisch stabil. In der Zentralafrikanischen Republik bekämpfen sich zwei Bevölkerungsgruppen. In der Tschadseeregion verbreitet die islamistische Terrorgruppe Boko Haram Angst und Schrecken. Leidtragend ist die zivile Bevölkerung: Viele Häuser sind verwüstet, Felder können nicht mehr bestellt werden, Ernten bleiben aus. Terroranschläge und Gewaltausbrüche machen es humanitären Helferinnen und Helfern zusätzlich schwer, den notleidenden Menschen beizustehen.