Leben in Angst

  • Die 8-jährige Nancy Rueda sagt: „Wir Kinder lernen früh, dass wir nichts anfassen dürfen. Auch nicht, wenn es aussieht wie ein alter Fußball.“

    Foto: Caritas international

  • Luis Sinistera ist 32 Jahre alt und hat vier Kinder: „Schon zwei Mal mussten wir unser Dorf verlassen, weil sich bewaffnete Gruppen direkt vor unserer Haustür Gefechte lieferten. Mit Hilfe der Caritas bin ich zurückgekehrt. Wovon hätte ich meine Familie in der Stadt ernähren sollen?“

    Foto: Caritas international

Die heute 8-jährige Nancy Rueda war zwei Jahre alt, als ihre Mutter auf eine Mine trat. „Mama hatte mich auf ihrem Rücken. Wir flogen beide meterhoch durch die Luft und wurden schwer verletzt. Aber wir hatten Glück. Wir haben beide überlebt und keine Gliedmaßen verloren. Manchmal habe ich starke Kopfschmerzen und dann sagt meine Mutter, das kommt von dem Unfall. In der Schule lernen wir, dass wir immer die Straße entlang gehen müssen. Obwohl es über die Wiese natürlich viel kürzer wäre. Unserem Lehrer tut es leid, dass wir Kinder nicht einfach raus können. Er will einen Spielplatz bauen, direkt vor der Schule, wo wir herumtoben können. Am Abend müssen alle rein. Nach sieben Uhr darf keiner mehr raus, sagen die Männer. Sie haben unserem Lehrer auch verboten, mit Helm Motorrad zu fahren, obwohl er einen sehr empfindlichen Kehlkopf hat. Aber die Männer haben gesagt: Wenn du keine Kugel im Kopf haben willst, dann fahr ohne Helm!“

Nancy Rueda stammt aus Samaniego im Distrikt Nariño. Diese Region ist vom bewaffneten Konflikt nach wie vor schwer betroffen und hatte in den zurückliegenden Jahren die meisten Landminenopfer zu beklagen. „Die meisten Unfälle passieren bei der Feldarbeit“, sagt Rosa Palacios, die seit 20 Jahren bei der Caritas in Pasto arbeitet und inzwischen über 116 Familien von Minenopfern betreut hat. Sowohl verschiedene Guerilla-Gruppen als auch das Militär setzen Landminen als strategisches Instrument der Kriegsführung ein. Inzwischen haben aber auch andere kriminelle Drogenbanden das System übernommen und schützen zum Beispiel ihre illegalen Kokafelder mit Minen. Mit dem Unfall fällt häufig auch das Familieneinkommen weg und die ganze Familie gerät nicht nur psychisch, sondern auch ökonomisch in eine schwere Schieflage.