Für eine Zukunft ohne Hunger

  • Ruman Mohamed und ihre elf Monate alte Tochter Obah.

    Foto: WFP/Kabir Dhanji

  • Ruman wäscht Obahs Hände, bevor sie die Spezialnahrung von WFP bekommt.

    Foto: WFP/Kabir Dhanji

  • Eine Mitarbeiterin im Gesundheits- und Ernährungszentrum wiegt Obah mit gutem Ergebnis: Die Kleine hat 200 Gramm zugenommen.

    Foto: WFP/Kabir Dhanji

Somalia steht nach der Hungersnot 2011 erneut vor einer Katastrophe, fast 3 Millionen Menschen leiden Hunger. Gerade bei Kindern nimmt Mangelernährung zu. Schätzungsweise 388.000 unter 5-Jährige sind akut mangelernährt, 87.000 von ihnen so stark, dass ihnen Krankheit oder Tod droht. Das UN World Food Programme (WFP) behandelt und beugt Mangelernährung bei Müttern und Kindern in über 930 Gesundheits-und-Ernährungszentren landesweit vor. Dort bekommen auch Ruman und Obah Unterstützung: Die 20-jährige Ruman Mohamed setzt ihre elf Monate alte Tochter Obah sanft auf den Boden. Aus einer Plastikkanne füllt sie Wasser in eine kleine Metallschüssel und wäscht Obahs Hände darin. „Das habe ich heute im Zentrum gelernt“, sagt Ruman und zeigt auf die Hände ihrer Tochter. Mit Zentrum meint sie eines der Gesundheits- und Ernährungszentren für Mütter und Kinder, das sich rund zehn Minuten von ihrem Haus im Nordwesten Somalias befindet.

Aus einer Plastiktüte nimmt Ruman ein Tütchen mit der Aufschrift “RUSF”, die englische Abkürzung für Ready-to-Use Supplementary Food, also sofort verzehrfertige Spezialnahrung. Mit ihren großen Augen und runden Bäckchen sieht man nicht gleich, dass Obah mangelernährt ist. WFP unterstützt die kleine Familie mit täglichen Rationen eines speziellen Nahrungsmittels: Eine mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Erdnusspaste, die alle wichtigen Fette enthält. Die Rationen sind Teil eines viermonatigen Ernährungsprogramms von WFP, um Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren zu behandeln. Nach dem ersten Monat zeigt die Wage im Gesundheitszentrum, dass Obah 200 Gramm zugenommen hat – ein gutes Zeichen, die Behandlung schlägt an!

  • Hinda Mahud Ali arbeitet als Krankenschwester in der SOS-Mutter-Kind-Klinik in Mogadischu in Somalia.

    Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

  • Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen: in ihrem Umgang mit ihren Patientinnen beweist Hinda Mahud Ali beides.

    Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

„Die Arbeit in der SOS-Klinik hat mein Leben gerettet“

Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 wurde in Somalia alles anders: ein blutiger Bürgerkrieg entflammte, das Gesundheitssystem brach zusammen, Hinda verlor ihren Job. Drei lange Jahre war die erfahrene Krankenschwester arbeitslos. „Ich hatte neun Kinder und einen ebenfalls arbeitslosen Mann zuhause sitzen. Da war das Angebot, in der SOS-Klinik zu arbeiten, ein wahrer Segen“, erinnert sich Hinda. Aber es war auch eine harte Zeit für sie: die SOS-Klinik lag mitten im umkämpften Gebiet, hunderte verletzte und kranke Frauen, Mütter und Kinder suchten jeden Tag Hilfe bei Hinda und ihren Kollegen. „So viele Menschen um uns herum sind gestorben. Auch einige meiner Kollegen sind zwischen die Fronten geraten und haben das nicht überlebt.“

Auch Hinda selbst war in dieser Zeit mit einer brenzligen Situation konfrontiert: Es war im Jahr 1999. Äthiopische Truppen waren in Somalia einmarschiert. Es gab schwere Kämpfe und die Truppen hatten in Mogadischu mehrere Straßensperren errichtet. „Es fuhren keine Busse mehr, also musste ich den Weg zwischen meinem Zuhause und der SOS-Klinik zu Fuß zurücklegen. Eines Abends ist es spät geworden und ich hatte Angst, mich im Dunkeln auf den Weg zu machen. Wir haben schlimme Sachen gehört damals, was passiert, wenn man in diese Straßensperren gerät. Aber ich hatte keine Wahl. Meine Kinder waren allein zu Hause. Ich musste los“, berichtet Hinda. „Tatsächlich wurde ich an einer Sperre aufgehalten. Sie brachten mich in einen Raum und ließen mich dort stundenlang warten. Ich hatte solche Angst! Endlich kam ein Kommandeur. Er fragte mich, was in meiner Tasche sei. Da fiel mir ein, dass ich ja meinen SOS-Mitarbeiterausweis dabei hatte. Schnell nahm ich ihn aus der Tasche und gab ihn dem Mann.“

Was dann passierte, erzählt Hinda jedem Arzt und jeder Krankenschwester, die neu in die SOS-Klinik kommen. Denn sie möchte, dass ihre jungen Kollegen verstehen, welche Bedeutung die SOS-Klinik in Mogadischu hat. „Der Kommandeur schaute lange auf meinen SOS-Ausweis. Dann fragte er mich ‚Du arbeitest für SOS?‘ Ich sagte ja und dass ich Krankenschwester bin. Daraufhin gab er mir meinen Ausweis und meine Tasche zurück und sagte, dass ich gehen könne. Ich hab das Zimmer so schnell verlassen, ich hab mich nicht einmal mehr zu dem Mann umgedreht! Mein SOS-Mitarbeiterausweis hat mich in dieser Nacht gerettet.“