Sudan

Hintergrund zur humanitären Lage im Sudan

Der Sudan sieht sich mit zwei humanitären Herausforderungen konfrontiert. Die eine beruht auf dem bewaffneten Konflikt, der zu weiträumigen Vertreibungen führt. Die andere rührt aus den klimatischen und soziokulturellen Bedingungen des Landes her. Diese Ereignisse führen zu Engpässen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und damit zu Mangelernährung in weiten Teilen der Bevölkerung. 3,6 Millionen Menschen benötigen derzeit Nahrungsmittelhilfe (UNOCHA Juni 2017).

In drei Regionen des Landes spielt sich der bewaffnete Konflikt ab; in Darfur seit 2003, in Südkordofan und dem Bundesstaat Blue Nile seit 2011. 2,2 Mio. Menschen sind deshalb Binnenvertriebene. Weitere 400.000 Menschen aus Südsudan, Eritrea und anderen Ländern suchen Zuflucht im Sudan (gemäß offiziellen UNHCR-Daten von Juni 2017). Extreme Wetterereignisse wie El Niño erschweren die Lage: aufgrund ausbleibender Regenfälle gibt es weniger und qualitativ schlechtere Weidegebiete. Brunnen sind ausgetrocknet, die Tierherden geschwächt.

Diese beiden Herausforderungen – Konflikt und Klimawandel – sind von besonderer Bedeutung, da der größte Teil des sudanesischen Bruttoinlandsprodukts aus der Landwirtschaft generiert wird, dort wiederum v. a. aus der Viehhaltung. Traditionellerweise hält die Mehrheit der Bevölkerung eine kleine Anzahl von Vieh in pastoraler Weise. Teilweise wird die Viehhaltung mit kleinteiliger Landwirtschaft kombiniert, die zumeist vom natürlichen Regenfall abhängig ist, da komplexe Bewässerungssysteme fehlen. Trotz der hohen Bedeutung der Landwirtschaft sind Kleinbauern und Pastoralisten immer wieder von den oben genannten Konflikten betroffen. Viele mussten ihre Gehöfte und Weidegebiete verlassen. Sie haben die Schlüsselfaktoren ihrer landwirtschaftlichen Produktion eingebüßt: das Vieh, landwirtschaftliche Geräte, Saatgut und ihre Unterstützungsnetzwerke.

In der Folge hat sich die Ernährungssituation und gesundheitliche Lage vieler Menschen im Sudan – von Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden gleichermaßen – signifikant verschlechtert.

5 Fakten, die du über den Sudan wissen solltest:

  • Alfred Brehm, der Autor des berühmten Buchs „Brehms Tierleben“, verfasste seine Doktorarbeit über seine Reisen, die ihn von 1847 – 1853 auch in den Sudan führten.
  • Der renommierte Gartenarchitekt und Universalgelehrter Fürst Pückler-Muskau, nach dem das Pückler-Eis benannt ist, reiste 1824 in den Sudan und verewigte sich mit einem Graffito auf einer der wichtigsten antiken Fundstellen des Landes.
  • 4,8 Millionen Menschen im Sudan bedürfen der Unterstützung, davon benötigen allein 3,6 Millionen Nahrungsmittelhilfe. 2,2 Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung. (offizielle Zahlen von UNOCHA)
  • Der Humanitäre Bedarfsplan für den Sudan ist bislang lediglich zu 22,6% finanziert. Das heißt, 621,9 Millionen US-Dollar werden noch dringend im Laufe des Jahres 2017 benötigt. (offizielle Zahl von UNOCHA, Stand Juni 2017)
  • Das System der Tiergesundheitshelfer (bekannt unter dem Stichwort: community-based animal health worker – CAHW) kann auch im Sudan maßgeblich dazu beitragen, Tierherden zu schützen, die durch die Klimaveränderungen mehr und mehr bedroht werden. Damit wird auch das Leben der Tierhalter und der Bevölkerung verbessert.