Hintergründe zur vergessenen humanitären Krise im Südsudan

Die stille Katastrophe

Am 9. Juli 2011 erklärte der Südsudan seine Unabhängigkeit vom Norden. Nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges keimte Hoffnung auf Frieden und wirtschaftliche Entwicklung auf. Leider wurde jede Hoffnung schon im Dezember 2013 zerstört. Nur zwei Jahre nach der Unabhängigkeit vom Sudan forderten bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Präsidenten Kiir und des ehemaligen Vizepräsidenten Machar zehntausende Tote. Der Konflikt entwickelte sich zum Bürgerkrieg. Immer wieder kommt es seither zu Kämpfen, Gewalt und Flucht. Die Ursachen der großen Not im Südsudan liegen in der Gewalt. Schon seit den 1950er-Jahren leben die Menschen fast ununterbrochen mit bewaffneten Konflikten, mehr als 2,5 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Der Kreislauf von Hunger, Gewalt und Not wird ohne strukturelle Veränderungen kaum zu durchbrechen sein. Die Leidtragenden aber sind in der Bevölkerung.

Fast drei Millionen Menschen sind auf der Flucht

Die Menschen haben Angst, fast drei Millionen Menschen sind auf der Flucht, 1,87 Millionen davon im eigenen Land. Seit erneuter, heftiger Gewaltausbrüche im Juli 2016 hat sich die Situation noch einmal verschärft. Auch in so wichtigen Zeiten wie der Aussaat legen die Konfliktparteien ihre Waffen nicht nieder. Die Folge: Viele Felder konnten dieses Jahr erneut nicht bestellt werden. Und das in einem Land, in dem 90 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben. Die dringend benötigten Ernten im Juli und August fielen aus. Arbeitsplätze und andere Einkommensquellen gibt es kaum. Die Preise für Nahrungsmittel steigen, die Inflationsrate ist hoch. Mehr als 80 Prozent ihres Geldes geben die Südsudanesen heute im Schnitt für ihr Essen aus.

Die Zustände in den Flüchtlingslagern sind zumeist katastrophal. Keine oder kaum vorhandene sanitäre Infrastruktur sowie die mangelhafte Wasserversorgung sorgen für Krankheiten: Häufig ist das Trinkwasser verdreckt, was zu Infektionen und Wurmbefall führen kann. Krankheiten entziehen dem Körper Nährstoffe, was Erwachsene und Kinder zusätzlich belastet. Zu allem Überfluss sind jetzt die ersten Todesfälle durch Cholera aufgetreten. Die geschwächten Körper haben keinerlei Abwehrkräfte gegen die gefährliche Infektion.

Erste Hungersnot weltweit seit sechs Jahren

90 Prozent der Bevölkerung im Südsudan leben von Landwirtschaft. Der Bürgerkrieg verhindert den Anbau von Nahrungsmitteln, da die Betroffenen gezwungen sind zu fliehen. Ernten fallen aus und Dürreperioden verschärfen die Lebensmittelknappheit. Nach und nach bricht den Menschen die Existenzgrundlage weg. Zudem steigen die Preise für Nahrungsmittel immens. Rund sieben Millionen Südsudanesen haben nicht genug zu essen. Besonders ernst ist die Situation für Kinder und Schwangere. Im Februar 2017 hat die UN für Teile des Südsudan offiziell eine Hungersnot ausgerufen – die erste Hungersnot weltweit seit sechs Jahren.