Hintergründe zur vergessenen humanitären Krise im Tschad

In konfliktreicher Nachbarschaft

Tschad
Tschad: Die Krise und das Vergessen

Der Tschad befindet sich in Zentralafrika und ist ungefähr dreieinhalbmal so groß wie Deutschland. Im Norden ist er Teil der Sahara, der großen Wüste, die sich quer über den Kontinent zieht. Der Süden des Landes ist in Äquatornähe und damit tropisch, grün, feucht und heiß. Über das große Land im westafrikanischen Sahel wird selten berichtet, aber ebenso wie in bekannteren Konfliktregionen befindet sich der Tschad in einer humanitären Krise und einer konfliktreichen Nachbarschaft: im Osten die sudanesische Provinz Darfur, im Norden Libyen, das seit einigen Monaten in politisches Chaos gestürzt ist. Im Westen grenzt der Tschad an den Niger, auch hier herrschen – besonders im Norden – Aufstände, Gewalt und Drogenhandel. Dann grenzt der Tschad auch noch an Nigeria, in dessen Norden sich bewaffnete Milizen ausbreiten und ganze Städte einnehmen. Südwestlich auch die Grenze zu Kamerun. Und im Süden schließlich grenzt der Tschad an die Zentralafrikanische Republik. Als dort Anfang 2013 die Regierung gestürzt wurde, flohen hunderttausende Menschen, davon knapp 95.000 in den Süden des Tschads.

Rund 500.000 Flüchtlinge suchen derzeit im Tschad Schutz vor Gewalt und Terror in ihrer Heimat. Sie kommen neben der Zentralafrikanischen Republik aus Darfur/Sudan und Nigeria. Über die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Viele haben unterwegs unfassbares Leid erfahren, wurden von ihren Familien getrennt und sind jetzt auf sich allein gestellt. Im Tschad können die vielen Flüchtlinge nicht ausreichend versorgt werden. Knapp 4 Millionen Menschen sind nahrungsmittelunsicher, rund 1 Million leiden akut Hunger.

Ein gebeutelter Staat

Die Versorgung dieser großen Zahl an Flüchtlingen ist für den Tschad mit seinen begrenzten Ressourcen nicht einfach zu bewältigen. Auch die lokale Bevölkerung wird dadurch auf eine harte Probe gestellt. Die Lebensbedingungen im Tschad sind schwierig, es kommt immer wieder zu langen Trockenperioden und Fluten sowie zu politischen Unruhen. CARE konzentriert sich mit seiner Hilfe stark auf die Flüchtlingskrise im Tschad und lindert die Not derjenigen, die im Süden ins Land kommen. Insgesamt versorgt CARE im Tschad mehr als 58.600 Flüchtlinge im südlichen Teil des Landes und beobachtet die aktuelle humanitäre Situation im Südosten und im ganzen Land sehr genau. Sie kommen vielleicht aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Sie haben verschiedene Gründe und unterschiedliche Geschichten, doch letztlich ist eines klar: die Notlage der Menschen im Tschad darf nicht ignoriert  werden.