So leben die Menschen in vergessenen humanitären Krisen

  • Ruman Mohamed aus Somalia

    Mit ihren großen Augen und runden Bäckchen sieht man nicht gleich, dass die elf Monate alte Obah aus Somalia mangelernährt ist. Das UN World Food Programme unterstützt sie und ihre Mutter Ruman Mohamed mit täglichen Rationen eines speziellen Nahrungsmittels. Viele Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und haben sich in den letzten Monaten rund um die Städte angesiedelt. Doch selbst in den Städten ist ihre Ernährung nicht gesichert.

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  • Violette und Gilbert aus Burundi

    Der 27-jährige Gilbert Nizigiyimana war acht Jahre alt, als seine Familie ermordet wurde. Nur Gilbert konnte durch ein Fenster entkommen. Er und seine Frau Violette sind aus Burundi geflohen. Zusammen mit drei Cousins lebt das Ehepaar seit 2014 in einem Flüchtlingscamp in Kenia. Drei Zimmer für fünf Menschen, kein Strom, kein Wasser – so sieht es bei Violette und Gilbert aus. „Das Leben ist hart hier“, sagt Violette, „aber ich hoffe, dass es unser Baby einmal besser haben wird“.

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  • Anyer aus dem Südsudan

    Anyer Bulen Dit (46) stammt aus Bor, einem kleinen Ort rund 200 Kilometer nördlich der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Als Ende 2013 der Bürgerkrieg ausbrach, floh sie aus ihrer Heimat. „Ich flüchtete im Januar, als die Kämpfe begannen, von Bor nach Mingkaman. Ich musste unser Hab und Gut, unsere Kühe – einfach alles zurücklassen und mit meinen Kindern und meinem Mann fliehen. Viele unserer Verwandten blieben zurück und wurden wohl getötet – wir wissen es nicht genau.“

     

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  • Fatimé Malicky aus dem Tschad

    Fatimé Malicky ist eine von über 95.000 Menschen, die aus der Zentralafrikanischen Republik in den nördlich angrenzenden Tschad geflohen sind. „Es fing um 3 Uhr morgens an. Wir hörten schwere Artillerie und Schießereien. In unserer Nachbarschaft wurden 55 Menschen mit Macheten umgebracht. Um uns herum gab es nicht als den Tod. Du nimmst deine Kinder und rennst.“

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  • Viola Roba aus der DR Kongo

    „Wir mussten als Flüchtlinge nichts für die Behandlung bezahlen und ich bin so froh darüber, denn ich hätte gar nicht gewusst, was ich machen soll. Wir haben kein Geld für den Arzt“, sagt Viola Roba niedergeschlagen. In einer Kirche hat die 30-Jährige Viola Roba ein Bett gefunden. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern ist sie aus dem Südsudan in die Demokratische Republik Kongo geflohen, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Ihr Mann hat es nicht mehr geschafft.

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  • Mohammed Salem aus Jemen

    „Wir können den Brunnen in unserem Dorf nicht benutzen, weil er stark verschmutzt ist. Noch nicht einmal zum Waschen können wir das Wasser benutzen, wir bekommen davon Durchfall. Für sauberes Trinkwasser müssen meine Familie und ich sehr weite Strecken zurücklegen“, beschreibt Mohammed Salem aus der Provinz Abyan im Jemen seine Situation.

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  • Jestina Pellu aus Simbabwe

    „Ich bin nicht glücklich über meine Situation, aber ich habe keine andere Option“, sagt Jestina Pellu lächelnd und lässt beide Hände auf ihrem runden Bauch ruhen. „Ein paar Ochsen wären schön, damit ich mein Feld pflügen kann“, sagt sie bescheiden. Die 38-jährige Jestina ist im sechsten Monat schwanger und allein für ihre drei Kinder verantwortlich.

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  • Dhapo aus Pakistan

    Dhapo wird mit 21 Jahren verheiratet und muss ihre Heimat verlassen. Das Dörfchen Haji Khan Raijar ist verglichen mit Ihrer Heimat infrastrukturelles Mittelalter und verlangt seinen Bewohnern alles ab. Insbesondere die Frauen sind in ihrem Alltag mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. „40 Minuten Fußweg zur Quelle und überhaupt keine sanitären Anlagen waren für mich ein Schock“, erinnert sich Dhapo. Ein Schock, auf den ein persönlicher Schicksalsschlag folgt: Vor drei Jahren stirbt Dhapos Ehemann. Nun muss Dhapo ihre beiden Kindern allein ernähren.

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  • Luis Sinistera aus Kolumbien

    Ich lebe mit meiner Familie in einer kleinen Gemeinde am Kanal. Schon zwei Mal mussten wir unser Dorf verlassen, weil sich bewaffnete Gruppen direkt vor unserer Haustür Gefechte lieferten. Der Konflikt macht die Dorfgemeinschaft kaputt. Ich hoffe, dass der Frieden irgendwann tatsächlich auch hier ankommt.

     

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  • Foto: © Verena Hölzl

    Lu Lu Awng aus Myanmar

    Alles begann damit, dass burmesische Soldaten auf Lu Lu Awng und ihre Familie schossen. Um 3 Uhr morgens war das, erinnert sich das zwölfjährige Mädchen. Sie sitzt auf ihrer rosafarbenen Bettdecke, die Hände im Schoß gefaltet. Auf der Schlafanzughose, die sie trägt, tummeln sich bunte Tiere. Vor ihrem Bett steht eine pinke Plastiktruhe, in der sie ihre Habseligkeiten verwahrt, auf einem Schemel neben dem Kopfende stapeln sich Schulhefte, die sie fein säuberlich dort platziert hat. Seit zwei Jahren lebt Lu Lu Awng nicht mehr in ihrer vom Konflikt geschüttelten Heimat Kachin.

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Prominente #nichtvergesser

  • Angelika und Robert Atzorn, Schauspieler: „Krisen vergessen heißt Menschen vergessen – das hat uns sofort eingeleuchtet. Gern unterstützen wir die Kampagne #nichtvergesser und damit Menschen aus vergessenen humanitären Krisen mit unserem Knotenfoto.“

    Foto: Sabine Finger/humedica

  • Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg: „Aktuelle Krisen oder Katastrophen finden ihren Weg in die Medien, aber das Interesse ebbt schnell wieder ab. Doch Hunger, Krankheit oder Vertreibung bleiben und belasten die Betroffenen weiter – auch wenn keiner mehr hinsieht. Das gilt auch für das kleine ostafrikanische Land Burundi, das mir als Partnerland Baden-Württembergs besonders am Herzen liegt.“

  • Max Simonischek, Schauspieler: „Ich bin ein #Nichtvergesser und halte es mit Aristoteles: ‚Denn die Gleichheit und Gerechtigkeit wollen, sind immer die Schwächeren, während die Stärkeren sich über diese Dinge keinen Kummer machen.‘“

  • Dr. Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Schirmherrin der Kampagne #nichtvergesser: „Ich engagiere ich mich dafür, dass Menschen in humanitären Krisen in keinem Land vergessen werden. Humanitäre Hilfe darf nicht aufhören, nur weil Krisengebiete nicht mehr in der öffentlichen Wahrnehmung stehen.“