Eine gemeinsame Initiative
des Auswärtigen Amtes und deutscher humanitärer Hilfsorganisationen

Wir sind internationale Hilfsorganisationen, die gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt eine Kampagne gestartet haben, um an vergessene humanitäre Krisen zu erinnern. Unter dem Motto #nichtvergesser wollen wir die Öffentlichkeit dazu aufrufen, sich aktiver mit solchen vergessenen Krisen auseinander zu setzen: sich zu interessieren, darüber zu reden, Informationen zu teilen, selbst zu handeln.

Interview Dr. Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe

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Frau Dr. Kofler, Sie sind Schirmherrin der Kampagne „#nichtvergesser – Krisen vergessen heißt Menschen vergessen“. Was sind vergessene Krisen?

Dr. Bärbel Kofler: Vergessene humanitäre Krisen sind meist langandauernde Krisen mit großem humanitärem Bedarf, dabei geprägt von geringer Berichterstattung und daraus resultierend einem Mangel an Spenden. Besonders fatal ist das fehlende mediale Interesse: die Krisen verlaufen somit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Die Krisenlagen im Jemen (Bürgerkrieg und Nahrungsmittelknappheit) und Myanmar (Verfolgung der muslimischen Rohingya), aber auch in Kolumbien (Binnenvertriebene des bewaffneten Konflikts zwischen Armee, Rebellen und Paramilitärs) oder der West-Sahara (Flüchtlinge in Algerien) stehen beispielhaft für vergessene humanitäre Krisen.

 

 

 

 

 

 

 

Wie kann die Kampagne helfen, die Situation der Menschen in den vergessenen Krisen zu verbessern?

Dr. Bärbel Kofler:  Die Träger der Kampagne, die Hilfsorganisationen und das Auswärtige Amt, haben das Ziel, vergessene Krisen stärker in den Fokus des humanitären Engagements auf der politischen Ebene und der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Die Hilfsorganisationen leisten humanitäre Hilfe, das heißt sie versorgen die Menschen in den Krisenregionen mit dem Notwendigsten – egal ob es sich um die Folgen von Naturkatastrophen oder um einen politischen Konflikt handelt. Unser Ziel ist es, die wichtige Arbeit der Hilfsorganisationen in den vergessenen Krisen sichtbar zu machen, um damit diese unerlässliche Arbeit langfristig zu sichern.

Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?

Dr. Bärbel Kofler: Wir setzen auf die Verbreitungsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke, um mit unserem Zeichen gegen das Vergessen, dem Knoten, möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Im Sommer 2018 wollen wir alle gesammelten Nichtvergesser-Bilder dem UNO Generalsekretär übergeben. Besonders wichtig ist es uns, junge Menschen für unsere Arbeit zu begeistern. Deshalb werden wir Materialen für Schulklassen und Jugendgruppen zur Verfügung stellen. Aber auch politische Entscheidungsträger haben wir im Fokus, denn neben der humanitären Hilfe ist das politische Engagement unabdingbar, um politische Konflikte zu lösen.